Hilfeformen

Flexible Erziehungshilfe ist ein für den Einzelfall organisiertes Jugendhilfeangebot. Es realisiert eine individuelle, dem Bedarf entsprechende Hilfe, die flexibel den Entwicklungen und Entscheidungen der Klienten und der anderen Beteiligten angepasst wird. Die Betreuung zielt auf eine akute und längerfristige Problemlösung, setzt auf die Stärkung vorhandener Ressourcen und bindet das Lebensfeld der zu Betreuenden mit ein. Vor Ort werden alle notwendigen ambulanten erzieherischen Hilfeformen angeboten und realisiert oder prozesshaft entwickelt. Flexible Erziehungshilfe bezieht auch die aufsuchender Arbeit und die niederschwelliegen Angebote mit ein. Flexible Erziehungshilfe kann auch andere teilstationäre und stationäre Hilfeformen ergänzen.
Im Hilfeplanverfahren werden Ziele, die Arbeitsaufträge sowie die daraus resultierende durchschnittliche wöchentliche Betreuungszeit vereinbart (i. d. R. in Stundenblöcken). Entsprechend der Bedarfsentwicklung und der neu festgelegten Arbeitsaufträge werden diese in der Fortschreibung verändert.
Die Betreuung wird in der Regel über Fachleistungsstunden oder kalendertägliche Betreuungssätze, die auf Fachleistungsstunden basieren, refinanziert. Die materielle Versorgung der Klienten, auch die mit Wohnraum, wird zusätzlich in Rechnung gestellt. Auch die Finanzierung über Pauschalen ist möglich.
GESETZLICHE GRUNDLAGENDie flexiblen erzieherischen Hilfen leisten Hilfe zur Erziehung entsprechend
§ 27 SGB V III (Voraussetzung einer erzieherischen Hilfe)
§ 27, 2 SGB V III (Flexible, individuelle Hilfe)
§ 30 SGB V III (Erziehungsbeistandschaften)
§ 35 SGB V III (Leistungen und intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung)
§ 35 a SGB V III (Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche)
§ 34 SGB V III (Betreutes Wohnen)
§ 36 SGB V III (Teilnahme an der Hilfeplanung)
§ 41 SGB V III (Für junge Volljährige).
§ 42 SGB V III (Inobhutnahme von Jugendlichen)
§ 45- 48 a SGB V III (Sonstige betreute Wohnformen, Wohngemeinschaften und betreutes Einzelwohnen entsprechend der Zweckbestimmung)
GRUNDLAGEN DER FLEXIBLEN BETREUUNGFlexible Betreuung für Kinder/Jugendliche orientiert sich an den folgenden Maximen und Grundlagen, die (u. a. ausgehend vom 8. Jugendbericht der Bundesregierung und dem Inkrafttreten des KJHG) in den letzten Jahren verstärkt Eingang in die Jugendhilfediskussion gefunden haben:
LEBENSWELTORIENTIERUNGAmbulante Hilfen setzen dort an, wo das Kind oder der Jugendliche steht, bei Einbeziehung des familiären und sozialen Umfeldes und der bestehenden sozialen Netzwerke, unter einer systemischen Sichtweise.
Die Betreuung findet im Lebensraum, im eigenen Umfeld der Kinder/Jugendlichen und Heranwachsenden statt; dies bedeutet auch die ganzheitliche Wahrnehmung von Lebensmöglichkeiten und Schwierigkeiten, wie sie im Alltag erfahren werden mit eizubeziehen.
Das soziale Umfeld und die problemverursachenden Faktoren sollen im Mittelpunkt stehen, nicht die Verhaltensauffälligkeiten des jungen Menschen.
Ein besonderes Augenmerk richten wir auf jugendliche Arbeitslose. Auch hier soll die Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen im Vordergrund stehen, um somit den Jugendlichen Tagesstruktur zu geben. Gebraucht-werden und Gefragt-sein fördert langfristig Selbstbewusstsein, Eigenverantwortung und somit auch Perspektiven für die Zukunft. Zusätzlich arbeiten wir eng mit Betrieben in der Region zusammen und verfügen über einen Pool von Ausbildungs- und Praktikumsplätzen sowie Arbeitsstellen. Des Weiteren haben die Jugendlichen die Möglichkeit in der Vereinseigenen Strukturwerkstatt ( Kfz- Werkstatt ) zu arbeiten.